Revierförster Ueli Hegg musste am Dentenberg 70 Nadelbäume fällen lassen. Viel zu früh. Die Fichten waren krank, weil auf dem Gelände Paintball gespielt wurde. Geschosse und Farbe verletzten die Bäume so sehr, dass sie abstarben.Ueli Hegg steht in der Waldlichtung und blickt besorgt auf die Fichten, die sich im Wind biegen. Die Bäume stehen gewöhnlich nicht am Waldrand. Doch der Revierförster musste eine halbe Hektare Wald am Dentenberg schlagen lassen. 70 Fichten und Weisstannen, alle im Alter von etwa 30 Jahren. «Das machen wir sonst nie», sagt Hegg. Doch in diesem Fall hatten Förster und Waldbesitzer keine Wahl: Die Bäume waren durch Paintball-Geschosse so beschädigt worden, dass sie abstarben und gefällt werden mussten.
Wald zur Verfügung gestelltVor einigen Jahren seien sie von einer Gruppe junger Männer angefragt worden, ob sie in einem Waldstück Paintball spielen dürften, erzählt Beatrice Oppliger. Sie und ihr Mann Christian sind die Besitzer des Waldstücks, das abgeholzt wurde. «Wir dachten, wegen der paar Farbflecke könne den Bäumen nichts passieren.» Sie hätten nicht gewusst, dass ein solcher Schaden entstehen könne. Das Spiel war damals neu. Oppligers stellten der Gruppe (siehe rechten Kasten) den Wald zur Verfügung; über einen Zeitraum von 3 Jahren durften sie dort Paintball spielen. Geld hätten sie keines dafür gefordert, sagt Beatrice Oppliger. «Die Jungs waren ja grösstenteils noch in der Lehre.»
Bäume verloren die NadelnDie Geschosse beschädigten die Rinde von 50 Zentimetern bis zu drei Metern ab Boden. «Die wunden Stellen konnten sich nicht erholen, weil immer wieder auf sie geschossen wurde», sagt Revierförster Hegg. Das sei mit einem Menschen vergleichbar, der einen Schorf immer wieder blutig kratze. Die Wunden der Bäume infizierten sich. Seit etwa 5 Jahren wird im Waldstück nicht mehr Paintball gespielt. Doch die Bäume harzten weiter an den wunden Stellen. «Im trockenen Sommer verloren sie dann die Nadeln – wie bei Bäumen, die vom Borkenkäfer befallen sind», so Hegg. Ein Zeichen, dass die Fichten absterben.
«Appell an die Vernunft»An den gefällten Baumstämmen gibt es noch heute deutliche Spuren der Geschosse. Ueli Hegg klettert auf die Holzbeige und zeigt auf ein Loch in der Rinde, das von grüner Farbe umgeben ist. «Der Aufprall fügte den Bäumen den Hauptschaden zu», sagt er, «doch auch die Farbe ist problematisch. Sie umgibt die Bäume wie ein Lack und hindert sie am Atmen.» Der Förster kann nicht verstehen, dass die Waldbesitzer damals das Spiel in ihrem Forst zugelassen haben. «Wir warnten Oppligers, dass die Bäume beschädigt würden», sagt Hegg. Leider habe der Forstdienst keine gesetzliche Handhabe, um die Paintball-Spieler aus dem Privatwald zu weisen. «Uns vom Forstdienst blieb nur übrig, an die Vernunft der Beteiligten zu appellieren.»
Zu jung zum FällenMit dem Abholzen ist die Geschichte indes noch nicht zu Ende. «So junge Bäume fällt man normalerweise noch nicht», sagt Hegg. Das Holz könne lediglich als billiges Papierholz, nicht zum Bauen benutzt werden. Fichten werden in der Regel im Alter von 80 bis 100 Jahren gefällt.
Ausserdem muss Bauer Oppliger den Wald nun wiederaufforsten. Etwa 200 Pflanzen zu je 5 Franken muss er kaufen. «Dazu kommt die mühsame Arbeit. Denn in den nächsten Jahren werden Oppligers die Jungbäume regelmässig von dornigem Dickicht befreien müssen», sagt der Förster. Ein weiterer Punkt ist der «Kahlschlag». Nicht alle Bäume auf dem Waldstück waren von den Paintball-Geschossen beschädigt worden. Trotzdem musste Hegg auch die gesunden Bäume abholzen – weil sie sonst frei gestanden wären und so keinen Halt im Boden mehr hätten. Ueli Hegg befürchtet nun, dass er jene Fichten, die seit kurzem den Waldrand bilden, auch bald abholzen muss. «Gewöhnlich sind sie Wind und Wetter nicht so stark ausgesetzt», sagt Hegg. Einen schneereichen Winter würden sie nicht überleben.
«War uns nicht bewusst»Urs Kräuchi aus Stettlen hat die Paintball-Anlässe auf dem Dentenberg organisiert. Der damals 16-Jährige suchte im Sommer 2002 nach einem geeigneten Spielfeld und erhielt die Bewilligung von Familie Oppliger. Während zweier bis dreier Jahre spielte er gemeinsam mit anderen Bernern etwa zweimal im Monat Paintball. Manchmal organisierte er auch Anlässe für Firmen. Die Spieler waren zwischen 16 und 35 Jahre alt und spielten in Gruppen von 4 bis 20 Personen.
«Mir war nicht bewusst, dass die Bäume auf dem Dentenberg durch unser Spiel so grossen Schaden nehmen würden», sagt Urs Kräuchi heute. Er sei selber erstaunt, dass sie nun gar hätten gefällt werden müssen.
Mittlerweile spielt Kräuchi nicht mehr Paintball, aus beruflichen und zeitlichen Gründen. «Paintball ist in Verruf, und das wollte ich damals nicht auch noch unterstützen», sagt Kräuchi. Es sei ihm wichtig, dass das Spiel als Sportart angeschaut werde. Deshalb habe er jeweils keine Spieler in Kampfanzügen und auch keinen Alkohol auf dem Spielfeld auf dem Dentenberg zugelassen. Quelle:
http://www.bernerzeitung.ch/region/bern ... y/31326024 (Berner Zeitung)