Stettlen BE
70 Bäume wegen Paintball-Schäden gefällt
In einem Wald auf dem Dentenberg bei Stettlen hat der zuständige Förster vor einem Monat 70 Fichten fällen lassen, weil der Grossteil von ihnen abzusterben drohte. Die Schäden stammen von Paintball-Spielern.
Revierförster Ueli Hegg bestätigte am Dienstag seine Aussagen in der «Berner Zeitung» vom gleichen Tag, wonach der Aufprall der Farbkugeln einerseits die Stämme beschädigte. Anderseits umgebe die Farbe nach dem Aufprall den Stamm wie Lack und hindere die Bäume am Atmen.
Vier Fünftel der Bäume wurden wegen der Paintball-Schäden gefällt. Die andern mussten weichen, weil sie zu Einzelbäumen geworden waren respektive weil sie am Waldrand isoliert dastanden. Die Schäden gehen schon auf die Jahre 2002 bis 2004 zurück. Seither wird im Privatwald bei Stettlen nicht mehr gespielt.
Paintball ist ein Spiel, bei dem die Teilnehmer - mit einem Gesichtsschutz ausgerüstet - mit Gasdruckwaffen aufeinander schiessen. Wer von einer Farbkugel getroffen wird, scheidet aus. In Stettlen spielten die jungen Leute mit der Einwilligung der Waldbesitzer.
Stettlen: «Einzelfall»
Christof Wüthrich vom Verband der Paintballspieler in der Schweiz geht davon aus, dass die Schäden in Stettlen auf Testschüsse der Spieler direkt in die Bäume zurückgehen. Die Swiss Paintball Federation wisse von der Schädlichkeit dieser Testschüsse und empfehle den Mitgliedern, diese auf den Boden abzugeben.
Der Verband sei bereit, den Fall Stettlen zu analysieren und sich an der Renaturierung des dortigen Walds zu beteiligen.
Paintball werde aber nur selten in Wäldern gespielt, so Wüthrich auf Anfrage weiter. Stettlen sei ein Einzelfall. Wettkämpfe fänden zwischen künstlichen Hindernissen auf Feldern statt oder in Hallen. Laut dem Präsidenten der Swiss Paintball Federation gibt es in der Schweiz etwa 500 regelmässige Spieler, in der Region Bern etwa 80.
Könnte verboten werden
Laut Hegg war es 2002 noch nicht möglich, das Paintballspiel im Wald zu verbieten. Das ist heute anders, wie Rudolf von Fischer, Stabschef im kantonalen Amt für Wald, auf Anfrage sagte.
Wegen der Erkenntnis, dass das Spiel Bäume schädigen könne, werde es heute als «nachteilige Nutzung» des Walds betrachtet, so von Fischer, nicht mehr als Veranstaltung.
Andere Kantone hätten ein Paintball-Verbot im Wald erlassen. Im Kanton Bern sei es aber bisher nicht nötig gewesen, eines auszusprechen. Es habe genügt, bei Anfragen der Paintballspieler auf die Möglichkeit hinzuweisen, das Spiel zu verbieten.
(sda)
Quelle: http://www.20min.ch